Mercedes-Benz User Experience – MBUX – ist das von Grund auf neu entwickelte und erstmals in der neuen A-Klasse verbaute Infotainmentsystem mit Hardware von Nvidia und neuer Benutzeroberfläche von Mercedes-Benz. In diesen beiden Punkten überzeugt das System auch, es fehlen aber noch Dienste für Streaming und Messaging.

Rund 20 Jahre nach dem ersten Comand-System in der S-Klasse der Baureihe 220 gibt es mit der Mercedes-Benz User Experience – kurz MBUX – seit Frühjahr eine vollständig neue Bezeichnung für das in neuen Fahrzeugen von Daimler angebotene Infotainmentsystem. MBUX folgt auf das Comand Online NTG 5 der S-Klasse der Baureihe 222 (Test) sowie das Comand Online NTG 5.5 der E-Klasse der Baureihe 213 (Test). Folgerichtig ist MBUX damit die „Neue Telematik Generation 6“, kurz NTG 6.

MBUX wird von Mercedes-Benz zum einen in der A-Klasse der Baureihe 177 angeboten, die hierzulande in den Varianten W177 (Schrägheck) sowie V177 (Limousine) verkauft wird. Darüber hinaus kommt das System im rein elektrischen EQC zum Einsatz, wo es um einen Menüpunkt für EQ-Funktionen erweitert wurde. Die jüngsten Fahrzeuge mit MBUX sind die neue B-Klasse der Baureihe 247 und der neue GLE der Baureihe 167. Als nächstes Auto mit MBUX dürfte Anfang des kommenden Jahres zur CES der neue CLA folgen. Bei den Nutzfahrzeugen lässt sich MBUX im aktuellen Sprinter der Baureihennummer 907 (Heckantrieb) und 910 (Vorderradantrieb) bestellen.

Das kostet MBUX

ComputerBase hat MBUX in der aktuellen A-Klasse getestet, wo das System im Vollausbau als „Navigation Premium-Paket“ (DK3) für 3.016,65 Euro angeboten wird. In Verbindung mit dem „Business-Paket“ (DA0) für 1.963,50 Euro reduziert sich der Preis auf 1.660,05 Euro. Hinsichtlich des Preises spielt es mit Ausnahme des neuen Mercedes-AMG A 35 4MATIC keine Rolle, welche Otto- oder Diesel-Motorisierung gewählt wird, einzig beim Sportmodell fällt der Aufpreis mit 1.541,05 Euro geringer aus, da hier das „Display-Paket“ (DK2) im Wert von 1.475,60 Euro serienmäßig verbaut ist.

Serienmäßig verbaut ist bei allen Motorisierungen das „MBUX Multimediasystem“ (545), das trotz des neuen Namens nur ein digitales Multimediasystem ist, dem jedoch alle erweiterten Funktionen fehlen. Dennoch gibt es hier schon ein kleines Media-Display mit 7 Zoll, das Touch-Eingaben akzeptiert. Auch das Kommunikationsmodul für die LTE-Verbindung (362) ist unabhängig von der Motorisierung stets bereits verbaut.

Wer dieses Basissystem um die erweiterten MBUX-Funktionen (355) wie „Hey Mercedes“, die Festplatten-Navigation (365), die Vorrüstung für Live Traffic Information (367) und das Touchpad (446) in der Mittelkonsole erweitern möchte, muss 1.356,60 Euro für das „Navigation Basis-Paket“ (DK1) zahlen und erhält dafür zwei 7 Zoll große Bildschirme für das Instrumenten- und Media-Display. Wem diese Bildschirme zu klein sind, kann für 1.475,60 Euro das „Display-Paket“ (DK2) bestellen, das diese wie beim „Navigation Premium-Paket“ auf je 10,25 Zoll mit 1.920 × 720 Pixeln vergrößert.

Im großen Komplettpaket „Navigation Premium-Paket“ für 3.016,65 Euro ist zusätzlich der Verkehrszeichen-Assistent enthalten, der die aktuell gültige Geschwindigkeit stets auf dem Instrumenten-Display anzeigt. Der Aufpreis für das Extra liegt so bei 184,45 Euro anstatt 351,05 Euro bei Auswahl der Pakete DK1, DK2 und 513.

Der nicht besonders übersichtliche Online-Konfigurator von Mercedes-Benz schränkt bei der Zusammenstellung des Fahrzeugs automatisch ein, welche Sonderausstattungen miteinander kombiniert werden können. Das serienmäßige „MBUX Multimediasystem“ lässt sich zum Beispiel um das Display-Paket ergänzen, wenn die Festplatten-Navigation oder die Sprachbedienung per „Hey Mercedes“ nicht gewünscht werden, sondern einfach nur zwei größere Bildschirme mit jeweils 10,25 Zoll statt 7 Zoll wichtig sind. Wird dann allerdings das „Navigation Basis-Paket“ ausgewählt, findet ein Downgrade auf zweimal 7 Zoll statt, im Gegenzug sind aber die Festplatten-Navigation und die erweiterten MBUX-Funktionen an Bord, die es nur bei Auswahl des „Display-Paket“ zusätzlich zum serienmäßigen „MBUX Multimediasystem“ nicht ab Werk gegeben hätte. Erst mit dem „Navigation Premium-Paket“ gibt es die Kombination aus großen Displays und allen MBUX-Features.

Nvidia liefert die Hardware

Für die Rechenleistung hinter MBUX sind je nach Sonderausstattung verschiedene System-on-a-Chips von Nvidia zuständig, genauer gesagt ein Reilly PX für die kleine und mittlere Ausführung mit zwei 7-Zoll-Displays (545/549 und DK1) sowie ein Parker 128 für die beiden großen Ausführung mit zwei 10,25-Zoll-Displays (DK2 und DK3).

Weder Reilly PX noch Parker 128 sind mit genau dieser Bezeichnung im Sortiment von Nvidia zu finden, wie üblich stammen die Namen erneut aus dem Marvel-Universum. Ausgehend von den von Mercedes-Benz zur Verfügung gestellten Informationen unterscheiden sich beide System vor allem hinsichtlich der GPU-Leistung. Daimler nennt 128 CUDA Cores für Reilly PX und 256 CUDA Cores für Parker 128, obwohl der Name hier anderes vermuten lässt. Die CPU besitzt sechs Kerne, davon zwei eigens entwickelte Denver-Kerne und vier ARM Cortex-A57. Als Arbeitsspeicher kommen 8 GB DDR4 zum Einsatz. Die Fertigung der beiden Chips findet in 16 nm FinFET statt.